8. Januar

2013

Wessi bleibt Wessi

Ich bin jetzt schon über acht Jahre hier im schönen Osten. Es gefällt mir hier, ich will auch nicht weg, aber etwas werde ich nie begreifen: Die Uhrzeit! Diese schlimme Uhrzeit.Ich war heute im Baumarkt, habe Spezialdübel gekauft. Es war schon ziemlich spät, und ich war mit dem Rad unterwegs. Nach dem Baumarktbesuch wollte ich noch eine Flasche Wein für meine Frau kaufen. Sie wollte irgendwas Gefühlvolles im Fernsehen gucken und dabei ein Glas Weißwein trinken. Hatte sie mir als SMS geschrieben, mit dem Zusatz: “Ich habe aber keinen :(” Na gut, machst Du Ihr die Freude, dachte ich.

Also war ich unter Zeitdruck. Um 20 Uhr machte der Weinladen zu. Und der Baumarkt ist etwa acht Kilometer entfernt. An der Kasse fragte ich die Kassiererin, wieviel Uhr es sei. Ihre Antwort: “Viertel Acht.” Ich schwitzte. Nach acht Jahren Osten habe ich immer noch nicht begriffen, was “Viertel Acht” auf Deutsch bedeutet. Ich konnte auch nicht nachfragen, trug ich doch eine schön warme Woll-Union-Berlin-Mütze auf dem Kopf. Also ehrlich, wie sieht das denn aus, wenn der Union-Fan (“Wir lassen uns vom Westen nicht kaufen”) gefragt hätte, “ist das viertel vor acht oder viertel nach acht?”. Man stelle sich vor, die Kassiererin würde dann auch noch wissen, dass ich für SUPERillu arbeite, Ostdeutschlands größter Zeitschrift.

Ich schwieg also und ging. Zu meinem Rad. Fuhr los. Und dachte nach. Was wohl “Viertel Acht” bedeuten könnte. Ich versuchte mich zu erinnern, was mir meine ostdeutschen Freunde gesagt und erzählt haben, als sie versuchten, mir ihr diffuses, metronomisches System zu erklären. Ich radelte, dachte nach und radelte. War jetzt “Viertel Acht”, viertel vor acht, viertel nach acht, ein viertel von acht – oder war es 19:15 Uhr? Denn daran konnte ich mich erinnern: Im ostdeutschen Uhrzeitsystem gab es null Logik. Okay, sagte ich mir, wenn es also keine Logik gibt, könnte es sein, dass es 19:15 Uhr gewesen ist, als ich nach der Uhrzeit fragte. Das würde bedeuten, ich hätte genug Zeit und könnte ganz gemütlich durch Oberschöneweide radeln. Sollte es aber so sein, dass “Viertel Acht” viertel vor acht bedeutet, dann wäre ich ziemlich in Eile… Ich trat in die Pedalen. Da fiel mir ein, dass “Viertel Acht” ja auch viertel NACH acht heissen könnte, und ich wäre längst zu spät dran…kein Mensch, liebe ostdeutsche Freunde, versteht Eure Uhrzeit. Ich glaube aber, das ist Absicht. Damit der Wessi ewig Wessi bleibt. :) Epilog: Sie bekam den Wein.

4 Kommentare zu „Wessi bleibt Wessi“

  1. Daniel sagt:

    Dann hier mal ein ganz einfacher Hinweis:

    Nimm bei der sächsichen Uhrzeit immer die Lokaladverbiale “zur” zu Hilfe. Es ist Viertel Acht, also “Viertel zur Acht” = 19:15. Es ist Dreiviertel Acht also “dreiviertel zur Acht” =19:45.

    Wenn du es dann immer noch nicht verstehst, dann schieben wir es einfach auf den Migrationshintergrund :D :D!!!

  2. admin sagt:

    Ey…du hascht kein Respääkt. :D

  3. Gert sagt:

    Guten Morgen,
    Leider kaum Verständnis! Dieses angeblich Ostdeutsche Uhrzeitsystem gibt es auch u.a. in Ba Wü. Also Vorsicht mit geographischen Zuordnungen!

  4. admin sagt:

    Ja, ich weiß, Gert, Du hast Recht. Das habe ich einfach mal kurz ausgeblendet

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