Archiv für Juni 2004

30. Juni

2004

Der Nazi und der Chefredakteur

Ich bin  gerade in Cottbus gewesen. Cottbus. Die Stadt, die ich, als ich noch in München wohnte, am meisten mit dem Begriff “Osten” verbunden habe. Da gibt es einen Fußballverein, der den für uns (im Westen) so fremden, sozialistisch-martialischen Namen “Energie” trägt, und die Stadt selbst liegt so weit östlich, dass sie irgendwie in einer anderen Welt zu sein scheint. So fremd aus Münchner Sicht. (weiterlesen…)

23. Juni

2004

“In der DDR wurde einfach mehr gefickt”

Die “Randfichten” aus dem erzgebirgischen Johanngeorgenstadt haben einen Hit. Die ganze Nation – Ost wie West – fragt sich gesellig singend bis grölend, ob den der “alte Holzmichel” nocht lebt. SUPERillu-Chefredakteur Jochen Wolff hat einen klaren Auftrag an mich: “Bringen Sie die Band in Lederhosen auf einen Berg und lassen Sie dort ein Titelfoto machen. Es soll Lebensfreude und Heimatgefühl herüberbringen und irgendwie volkstümlich-bayrisch anmuten.” Mein erster Anruf gilt der Agentur, die für “De Randfichten” die Öffentlichkeitsarbeit macht. (weiterlesen…)

16. Juni

2004

Epilog: Reporter-Depp

Für uns ist die Geschichte noch einmal gut ausgegangen. Die Redaktion in Berlin konnte ich so lange hinhalten, bis wir endlich am richtigen Ziel angekommen waren. Und erfolgreich waren wir auch. Nach zwölf Stunden wussten wir alles, aber auch wirklich alles, über den Mann und sprechen konnte ich ihn auch. Wie uns das gelungen war? Wir hatten Glück (das braucht man einfach) Hilfe (ganz lieben Dank an meine RTL-Kollegin Kerstin Wrussnig) und Durchhaltevermögen: Wir haben einen alten Reporter-Trick angewendet, der in Österreich immer funktioniert. Am Ende einer langen Nacht und anstrengenden Nacht, hatten wir sie alle zusammen, die Informationen, die ich brauchte. Jetzt, in dem Flugezug, das mich von Wien nach Berlin fliegt, darf ich die Augen ruhig schließen. Nicht auf dem Hinflug, ich Reporter-Depp!

15. Juni

2004

Reporter-Depp

Ich bin in Kriegen, Krisen und Katastrophen gewesen. Ich habe Enthüllungsgeschichten über mächtige Wirtschaftsbosse und klagewütige Promis und Politiker gemacht. Man hat mich verfolgt, unter Druck  gesetzt und, ja, sogar mit dem Tod bedroht. Aber nie ist mir wirklich etwas Ernsthaftes passiert. Weil ich immer vorsichtig und sorgfältig gewesen und jede Reportage gut vorbereitet habe, wobei man als Reporter auch immer schnell und unter Zeitdruck handeln muss. Doch an diesem Tag – und es ist schließlich noch meine Bewährungszeit bei SUPERillu – unterläuft mir ein ganz blöder Anfängerfehler. Und das kam so:

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12. Juni

2004

“Lange Schlangen vor den Porno-Läden, hahahaha!”

An diesem Wochenende besuchen mich meine Frau und meine Tochter. Wir wollen uns eine Wohnung suchen und fahren den ganzen Tag durch die östlichen Stadtbezirke. Abends sind wir verabredet. Bekannte von uns, die auch vor kurzem von München nach Berlin-Mariendorf gezogen sind, wollen grillen. Noch andere Gäste sind da, eine junge Frau aus Belzig (Brandenburg) und ein Kamerateam aus München, die in der Hauptstadt für einen bayrischen Fernsehsender einen Beitrag drehen wollen. Die Frau aus Belzig schaut mich seltsam freundlich an, als ich erzähle, dass ich jetzt für SUPERillu arbeite. (weiterlesen…)

8. Juni

2004

Das Girl der Woche

In der SUPERillu gibt es eine Rubrik, die fast jeder in Deutschland zu kennen scheint. Jedenfalls ist die erste Reaktion von jedem, dem ich erzähle, dass ich bei SUPERillu arbeite: “Ach, das ist doch die mit dem nackten Mädchen auf der letzten Seite.” In der Tat, das “Girl der Woche” scheint untrennbar mit SUPERillu verbunden. Natürlich interessiert mich das Thema brennend, und ich unterhalte mich mit der Redakteurin, die die Mädchen aussucht. (weiterlesen…)

5. Juni

2004

“Alles arbeitsfaule Neo-Nazis”

Am Wochenende bin ich nach Hause geflogen. Noch ist das München. Dort wohnt meine Familie und viele meiner Freunde leben hier. Wie jeden Samstag trifft sich meine alte Fußball-Mannschaft auch heute Nachmittag zum Bier  im “Löwenbräu” am Stiglmaierplatz: Journalisten, Rechtsanwälte, Immobilien- Makler, Polizisten, Sozialpädagogen, Finanzbeamte. Keine dummen Leute also.

Ich habe die SUPERillu mitgebracht, lege sie auf dem Tisch aus. Die Reaktionen der Runde erschrecken mich: (weiterlesen…)

4. Juni

2004

Abschieben oder nicht?

Es hat endlich geklappt. Vom Berliner Justizsenat habe ich die Erlaubnis, das Abschiebegefängnis in Berlin-Grünau besuchen zu dürfen. Und: Ich kann auch Verhandlungen beiwohnen, bei denen es um Abschiebung geht. Meine Hartnäckigkeit, die geschätzen vierzig Telefonate und Faxe, haben sich ausgezahlt: Ich darf also rein. (weiterlesen…)

3. Juni

2004

Bloß nicht in den Osten!

Heute hatte ich eine Begegnung der seltsamen Art. Zum Mittagessen war ich mit einem früheren Kollegen in der der Kantine des Axel-Springer-Verlages, die wir mitbenutzen, verabredet. Er arbeitet jetzt für ein renommiertes Blatt, das für seriösen Qualitätsjournalismus steht und gerne von Leuten benutzt wird, um in der U-Bahn oder im Café Eindruck zu schinden. Sein Aufgabengebiet: Reportagen aus den neuen Bundesländern. (weiterlesen…)

1. Juni

2004

Misere E Nobilita

Jetzt also werde ich jeden Tag die Mauer überqueren. Genau vor dem Eingang der SUPERillu-Redaktion hat die Stadt Kopfsteinpflaster in zwei Reihen gesetzt, die den Verlauf der Berliner Mauer zeigen. Das ist bedrückend. Ich kann mich noch gut an den Wahnsinn aus Beton erinnern, schließlich habe ich ab 1987 in Westberlin studiert, aber diese Steinreihe zeigt fast noch drastischer, was für ein Irrsinn der Mauerbau war. (weiterlesen…)